{"id":20,"date":"2016-10-01T13:34:09","date_gmt":"2016-10-01T13:34:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ahnenforschung-jackmuth.de\/?page_id=20"},"modified":"2016-10-16T15:43:40","modified_gmt":"2016-10-16T15:43:40","slug":"jackmuth_einleitung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ahnenforschung-jackmuth.de\/?page_id=20","title":{"rendered":"Einleitung \u2013 Ursprung der Nieverner Linie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Name Jackmuth, eingedeutscht aus Jacquemot (einer Verkleinerung zu frz. \u201eJacque\u201c) ist in der Pfarrei Nievern seit Aufzeichnungsbeginn der Pfarrmatrikel im Jahre 1708 nachweisbar. Zun\u00e4chst begegnen nur Johannes und Katharina, die zw. 1708 und 1729 neun Kinder taufen lassen. Aus dieser Familie (Nr. 1) stammen alle weiteren Familien dieses Namens in der Pfarrei des 18., 19. und 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Au\u00dfer dem Todesdatum des Johannes (21.03.1730) und der Katharina (23.11.1752, 75 Jahre alt), sowie einigen Taufpatenschaften und ein Eintrag in der Bruderschaftsliste der hl. Katharina 1710 lassen sich aus dem ersten Kirchenbuch keine weiteren Angaben zu diesen Personen entnehmen. Der M\u00e4dchenname der Mutter sowie das Datum der Trauung bleiben zun\u00e4chst offen. Es f\u00e4llt auf, dass der Eintrag in der Bruderschaftsliste 1710 mit dem Zusatz <em>cum omnibus prolibus, <\/em>also \u201emit allen Nachkommen\/Kindern\u201c versehen ist. Sind hiermit nur die 1708 und 1710 getauften Kinder gemeint, oder mehrere? Merkw\u00fcrdig erschien weiterhin, dass der Vater von Familie Nr. 2, Leonhard, nicht unter den Getauften 1708 bis 1729 zu finden ist. Doch erst mit dem Vermerk bei der zweiten Ehe des Johannes (III.) 1777 (Nr. 4b), dass seine Ehefrau Maria Margaretha <em>M\u00fcsseler<\/em> vom Hof Kirchheimersborn mit ihm im 3. Grad blutverwandt ist und sie deswegen eine Erlaubnis zur Trauung haben, kam endlich Licht in die Sache. War also die Katharina eine geb. <em>M\u00fcsseler<\/em> und kam vielleicht auch von diesem Hof?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Hof Kirchheimersborn bildete zusammen mit anderen Waldh\u00f6fen (Grenzloch, D\u00f6rstheck, usw.) und der auf der linken Lahnseite (dem Emser Bad gegen\u00fcber) liegenden H\u00f6fen, dem sogenannten \u201eSpie\u00df\u201c, die Pfarrei Spie\u00df und wurde zun\u00e4chst von der Pfarrei Oberlahnstein mitverwaltet. Heute geh\u00f6ren diese Orte zur Verbandsgemeinde Bad Ems.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Leider sind f\u00fcr die Pfarrei Spie\u00df eigene kontinuierliche Aufzeichnungen erst ab 1724 erhalten, als Peter Wunnerle mit den Aufzeichnungen beginnt, zu sp\u00e4t also, um f\u00fcr eine Recherche dienlich zu sein. Da jedoch die Pfarrei Spie\u00df von der Pfarrei Oberlahnstein mitverwaltet wurde, finden sich in den dortigen Kirchenb\u00fcchern, die bis ins 17. Jh. zur\u00fcckreichen, immer wieder Eintr\u00e4ge, welche die Pfarrei Spie\u00df betreffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und tats\u00e4chlich lassen dort Johannes <em>Jackmuth <\/em>und Katharina am 6. August 1702 ein Kind namens Leonhard taufen (* 02.08.). Taufpaten sind ein Leonhard <em>Jackmuth<\/em> und eine Eva <em>M\u00fcslerin<\/em>, Ehefrau des Thomas <em>M\u00fcsler<\/em>. Dieser Eintrag gilt bis jetzt als der fr\u00fcheste Namensbeleg. Ein weiterer Taufeintrag vom 4. November 1703 wird dann noch deutlicher. Johannes <em>Jachmouth <\/em>und Katharina <em>Moselerin<\/em> lassen ein Kind namens Johannes taufen (* 30.10.). Der Pfarrer nennt sie <em>coniuges morantes in villa Kirschmersborn, <\/em>also \u201eEheleute, die sich auf dem Hof Kirchheimersborn aufhalten\/verweilen\u201c. Die Taufpaten sind hier ohne weiteren Belang.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage nach dem M\u00e4dchennamen der Katharina und deren (wahrscheinlicher) Herkunftsort lie\u00df sich also beantworten. Trotzdem l\u00e4sst auch das Oberlahnsteiner Kirchenbuch die Frage nach dem Datum der Trauung offen. Es wird aber aufgrund des Todesdatums der Katharina und der Zeit ihrer Geburten um 1701 anzusetzen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Somit ist also die Pfarrei Nievern nicht der Ursprungsort f\u00fcr diese Familie oder vielmehr den Namenstr\u00e4ger, aber auch nicht die Kirchheimersborn, wie sich noch zeigen wird. Johannes und Katharina werden also fr\u00fchestens noch 1703, sp\u00e4testens aber 1708 in die Pfarrei Nievern gezogen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob Katharina von der Kirchheimersborn stammt, l\u00e4sst sich nicht beweisen, wird aber angenommen. Da sie nach Angabe des Nieverner Pfarrers 1752 mit 75 Jahren stirbt, w\u00e4re sie etwa 1677 geboren, aber bei Geburt ihres letzten Kindes 1729 etwa 52 Jahre alt gewesen. Ich setze ihr Geburtsjahr daher um 1685 an. Auf jeden Fall ist sie bei Geburt ihres ersten Kindes wohl noch sehr jung gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was den Namen <em>M\u00fcsseler<\/em> oder <em>M\u00f6seler<\/em> angeht, der sich evtl. von \u201eMusseler\u201c bzw. \u201eMusselier\u201c ableitet, ist dieser ab 1697 auf der Kirchheimersborn (s. FB Oberlahnstein<a href=\"#ftn1\">[1]<\/a>) nachweisbar. Johannes <em>Moseler<\/em>, Hofmann auf der Kirchheimersborn und Agnes sind zwischen 1697 und 1703 mit vier Kindern belegt. Bei der Taufpatin Katharina <em>Moseler <\/em>im Jahr 1697, mag es sich um die sp\u00e4tere Ehefrau des Johannes Jacquemot handeln, zumal dieser 1703 bei der gleichen Familie als Pate begegnet. Den fr\u00fchesten Beleg dieses Namens findet sich 1694\/1695 im Kirchenbuch der ev. Pfarrei Ems. Dort lassen Thomas und Eva <em>M\u00fc\u00dfler<\/em> am 05.04.1694 Johann Jakob und am 01.04.1695 Anna Katharina taufen. Im Eintrag von 1695 ist Thomas \u201egewesener Hofmann auf dem Wintersberg\u201c. Wahrscheinlich handelt es sich hier um die Taufpaten des ersten Kindes von Johannes Jacquemot und Katharina im Jahre 1702. Weiterhin ist dieser Name durchweg im 18. Jh. in der Pfarrei Nievern anzutreffen. Wahrscheinlich lassen sich auch hier alle Familien dieses Namens auf eine Stammfamilie zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem sich nun die Herkunft der Katharina <em>M\u00fcsseler\/M\u00f6seler<\/em> etwas aufhellen lie\u00df, gestaltet sich die Recherche um Johannes Jacquemot doch weitaus schwieriger.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 21. Mai 1671 erhalten Gottfried Eberhard Nottemans, Peter Michael Mariot und Gerhard Franz Bouille vom Landesherrn Carl Caspar von der Leyen, Kurf\u00fcrst von Trier, das Recht, auf einer Flussinsel in der Lahn unterhalb Nievern eine Eisenhammerschlag und eine Schneidm\u00fchle zu errichten. Da nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg die Eisenverh\u00fcttung zum Erliegen gekommen war, waren die Landesherren nunmehr daran interessiert, die Eisengewinnung durch Fachleute aus dem heutigen Belgien, wo diese sich im 17. Jahrhundert weiter entwickeln konnte, wieder aufleben zu lassen. Hier tut sich Johann Mariot, Kaufmann und H\u00fcttenmeister aus L\u00fcttich hervor, der als Vater der Neu- und Wiedergr\u00fcndung von Eisenh\u00fctten an Mittelrhein, Mosel und Lahn gilt. Begonnen mit einer Konzession 1639 f\u00fcr ein Gie\u00df- und Hammerwerk bei Vallerau (zw. Neuh\u00e4usel und Simmern, ehem. Amt Montabaur), wird diese im Laufe der Jahre auf Sch\u00fcrf- und H\u00fcttenrechte auf Dernbach, Engers, Ahl, Hohenrhein, Wein\u00e4hr, Vallendar, Nievern u. a. verl\u00e4ngert und erweitert und im Ganzen von ihm und seinen Nachkommen auf 14 Berg- und H\u00fcttenwerke im Kurf\u00fcrstentumtrier gebracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch zur\u00fcck zur Nieverner H\u00fctte. Nach ihrer Errichtung 1671-1673 wird Libert Grisar dort H\u00fcttenmeister. Bis 1656 Leiter des H\u00fcttenwerks von Yvoir (Raum L\u00fcttich), wird ihm von den Mariots zun\u00e4chst der Posten eines H\u00fcttenmeisters in Stromberg n\u00f6rdlich von Koblenz angeboten. Zu diesem Zeitpunkt hat die Eisengewinnung in der Familie schon lange Tradition. Jean Grisar, ein Bruder von Libert, war Besitzer des H\u00fcttenwerks in Ch\u00ean\u00e9e (Raum L\u00fcttich). Ihr Vater, Gillet Grisar, ist als H\u00fcttenmeister in Sauheid (sp\u00e4ter Chaudfontaine) 1613-1617 nachgewiesen. Selbst dessen Gro\u00dfvater begegnet als Leiter der Kohleminen und Kalk\u00f6fen zwischen Ch\u00e8vrement und Roms\u00e9e (Raum L\u00fcttich) und als Besitzer der H\u00fctten von Vaux (-sous Ch\u00e8vrement). Ab der \u00dcbernahme der Nieverner H\u00fctte durch Libert Grisar, stellen er und seine Nachkommen, obwohl nirgends ausdr\u00fccklich erw\u00e4hnt, die H\u00fcttenmeister im 18. Jh., bis sie 1816 f\u00fcr 60 500 Gulden an Peter Grisar (* 1742 Fachbach) und seine beiden Neffen Johann Martin und Karl ganz in Besitz geht. Ausf\u00fchrlich \u00fcber die Geschichte der Grisars in Belgien und sp\u00e4ter in Nievern informiert G. Hufnagel auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.gerhardhufnagel.mynetcologne.de\">http:\/\/www.gerhardhufnagel.mynetcologne.de<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich empfiehlt es sich f\u00fcr den Aufbau einer Eisenverh\u00fcttung in einer Gegend, wo die Techniken daf\u00fcr weitgehend unbekannt sind, die Facharbeiter mit dem entsprechenden Know-how, aus der Heimat mitzubringen. So kommt es nicht von ungef\u00e4hr, dass an den Orten, in denen die Mariots ihre Eisenh\u00fctten errichteten, wallonische Familiennamen auftauchen. Jedoch sind viele dieser Namen heute wieder verschwunden. Was Nievern angeht, bewegt sich der gr\u00f6\u00dfte Zustrom von wallonischen Facharbeitern von 1671 bis kurz nach 1700. Johannes Jacquemot scheint also zu einem der letzten Kontingente geh\u00f6rt zu haben, da anzunehmen ist, das immer mehrere Facharbeiter zusammen in die neue Heimat kamen. Leider ist bei Beginn der Nieverner Pfarrmatrikel im Jahr 1708 der gro\u00dfe Teil an Arbeitern schon da, sodass hier keine Informationen zum Herkunftsort zur Verf\u00fcgung stehen. Vergleiche mit Traueintr\u00e4gen in Kirchenb\u00fcchern von anderen H\u00fcttenstandorten wie Montabaur und Wein\u00e4hr, auf eine etwaige Nennung des Herkunftsorts des Ehemanns, zeigen mit globalen Umschreibungen wie z. B. \u201eex patria Leodiensis\u201c (aus L\u00fctticher Heimatland) auch teilweise genaue Nennungen des Herkunftsortes, bis hin zu Angabe der Eltern. Leider f\u00fchrt hier die Aufzeichnung nach dem H\u00f6ren-Sagen-Prinzip mitunter zu Namensverderbnissen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein weiteres Problem ist das (auch heute noch) h\u00e4ufige Vorkommen des Namens Jacquemot in der Gegend um L\u00fcttich. Es ist anzunehmen, dass die von den Mariots angesiedelten Arbeiterfamilien aus den Eisenverh\u00fcttungszentren im Raum L\u00fcttich direkt kommen. Aber ob eine systematische Untersuchung aller Kirchenb\u00fccher dieser entsprechenden Orte bei diesem h\u00e4ufigen Namen zum Erfolg f\u00fchrt, bleibt fraglich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a name=\"ftn1\"><\/a>[1] Karbach, Franz J.: Familienbuch Oberlahnstein : nach den Taufeintr\u00e4gen 1627 &#8211; 1800, Heiratseintr\u00e4gen 1627 &#8211; 1810, Sterbeeintr\u00e4gen 1654 -1816 \/ Franz Josef Karbach ; Hans-Dietrich Kneip ; Johannes Buschmann. &#8211; Koblenz, 1994. &#8211; IV, 846 S.<\/p>\n<hr \/>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><b>Letztes Update: Oktober 2016<\/b><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: small;\"><b>Ralph Jackmuth<\/b><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Name Jackmuth, eingedeutscht aus Jacquemot (einer Verkleinerung zu frz. \u201eJacque\u201c) ist in der Pfarrei Nievern seit Aufzeichnungsbeginn der Pfarrmatrikel im Jahre 1708 nachweisbar. 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